Aus der Geschäftsstelle

Dienstag, den 12. Januar 2021 um 00:00 Uhr

MAN_metalzeitung_01Das Jahr 2020 war ein herausforderndes Jahr - für IG Metall und Beschäftigte. Welches Fazit zieht die IG Metall und mit welcher Erwartung startet sie in das neue Jahr. Die metallzeitung hat nachgefragt.

 

metallzeitung: Andreas, 2020 war ein herausforderndes Jahr. Die Corona-Pandemie, der Strukturwandel in den Betriebe und die Organisationswahlen der IG Metall. Welche Bilanz ziehst du?

Andreas Weidemann:
Als IG Metall haben wir schnell und umfassend auf die Corona Pandemie reagiert. Wir haben unsere Arbeit auf digitale Formate umgestellt und konnten so die Arbeit in den Betrieben optimal unterstützen. Ob digitale Betriebsrats-Info oder VK-Sitzung. Wir waren jederzeit handlungsfähig und unsere digitalen Angeboten werden sehr gut angenommen und für ihre Professionalität geschätzt. Trotzdem freuen wir uns, wenn wir uns endlich wieder in Präsenz versammeln können. Die Auswirkungen von Corona auf die Arbeit in den Betrieben und die Beschleunigung der strukturellen Brüche sind hingegen alles andere als erfreulich. Ob MAN, Siemens oder Conti Temic. Viele Betriebe versuchen die Krise zu nutzen, um auf Kosten der Beschäftigten ihre Profite zu steigern, anstatt mit Beschäftigungssicherung die Krise zu überbrücken. Verantwortung sieht anders aus! Zum Glück hatten wir noch vor dem Lockdown unsere Organisationswahlen erfolgreich abgeschlossen. Unsere gut 1100 Vertrauensleute aus 26 Wahlkreisen waren eine starke Basis, um erfolgreich in die betrieblichen Auseinandersetzungen zu gehen!

mz: Nach einer kurzen Tarifrunde im März 2020, läuft seit Dezember die Tarifrunde 2021. Wo siehst du die Knackpunkte für die Verhandlung und wie stellt sich die IG Metall Nürnberg auf?

A.W.: Wir wollen die Einkommen stärken, Beschäftigung sichern und die Transformation gestalten - mit und für die Beschäftigten. Für die Arbeitgeber stehen mal wieder nur die Kosten im Vordergrund. So fordern sie die Möglichkeit für automatische Differenzierung der tariflichen Leistungen bei wirtschaftlichen Schieflage. Das geht gar nicht! Da machen wir nicht mit. Wenn es Abweichungen braucht, dann nur nach Verhandlungen mit der IG Metall, der Vorlage wirtschaftlicher Zahlen und Beteiligung der IG Metall Mitglieder. Hier sehe ich erhebliches Konfliktpotenzial. Doch wir sind vorbereitet. Der beste Beweis unser Menschenketten mit über 3000 Teilnehmern in der Nürnberger Südstadt. Wir können Tarif - auch während Corona!

mz: In der Tarifrunde werden wir als IG Metall besonders sichtbar, die Mitgliederentwicklung zieht an. Welche Ziele verfolgt die IG Metall Nürnberg in 2021, um ihre Stärke auszubauen?

A.W.: Trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation sind wir glimpflich durch das Jahr gekommen. Wir haben viele neue Kolleginnen und Kollegen durch unser Krisenmanagement von der IG Metall überzeugen können. Das hat uns sehr geholfen, um die Mitgliederzahl trotz Corona einigermaßen stabil zu halten. Diesen Schwung wollen wir in Jahr 2021 mitnehmen. Wir werden die Tarifrunde und die betrieblichen Themen nutzen, um in den Betrieben stark zu bleiben. Außerdem tragen unsere Erschließungsbemühungen weiter Früchte. Wir gewinnen vermehrt Angestellte und Ingenieure als Mitglieder für die IG Metall. Daran wollen wir weiter anknüpfen. Breit aufgestellt sind wir stärker!

mz: Welche Themen werden aus deiner Sicht zusätzlich das nächste Jahr prägen?

A.W.: Natürlich werden Corona und die wirtschaftlichen Folgen unsere Arbeit weiter bestimmen. Doch auch die Transformation, die Bundestagswahl oder die Klimakrise werden dieses Jahr bestimmende Themen bleiben.

mz: Vielen Dank für das Gespräch!