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Voll elektrisch unterwegs

Aus der Verwaltungsstelle

Dienstag, den 17. Juni 2014 um 17:26 Uhr

Ein Denkanstoß - Unser e-SmartDie IG Metall Nürnberg hat Anfang Juni einen e-smart in den Dienst gestellt. Die Entscheidung, sich ein voll elektrisches Dienstfahrzeug anzuschaffen, war nicht ganz unumstritten. Gibt es doch viele Arbeitsplätze in Nürnberg, die direkt vom Verbrennungsmotor abhängen. Wir befragten hierzu den 1. Bevollmächtigten Andreas Weidemann.

Andreas, steigt die IG Metall jetzt auf Elektrofahrzeuge um?

Andreas Weidemann: Ganz bestimmt nicht heute und nicht jetzt. Dazu ist die Reichweite von vollelektrischen Fahrzeugen noch viel zu gering, das Laden der Batterie dauert meistens noch zu lange, die umweltverträgliche Produktion und Entsorgung der Batterie ist noch längst nicht geklärt. Wenn der Strom mit einem alten Kohlekraftwerk produziert wurde, ist der mittelbare CO2-Ausstoß eines Elektrofahrzeugs höher als der eines modernen, sparsamen Dieselfahrzeugs.

Einweisung in das Tanken eines e-SmartsTrotzdem hat der Ortsvorstand entschieden, für 3 Jahre eine e-smart zu leasen. Ist das nicht ein Widerspruch?

AW: Nein. Die meisten unserer Betriebe liegen zwischen 3 und 12 km von der Verwaltungsstelle entfernt. Und selbst zu den Betrieben im Nürnberger Land kommen wir mit einer Batterieladung locker hin und wieder zurück. Mit der Schnellladestation ist die Batterie spätestens nach einer Stunde wieder voll. Die Schnellladestation wird übrigens in Lauf von der Firma ABL-Sursum gebaut. Als Dr. Stefan Schlutius, der Gesellschafter und Geschäftsführer der ABL-Sursum erfuhr, dass wir uns von der ABL eine Schnellladestation kaufen möchten, hat er spontan entschieden, uns eine Station kostenlos zu überlassen. Dafür bedanke ich mich bei Herrn Schlutius im Namen der IG Metall Nürnberg ganz herzlich.
Doch zurück zur Frage: Die aktuell zur Verfügung stehende Technologie genügt den meisten Mobilitätsanforderungen der IG Metall Nürnberg.

Und das Umweltproblem?

AW: Die Herstellung und Entsorgung der Batterie bleibt ein ungelöstes Problem. Zum CO2-Ausstoß kann ich sagen: Die IG Metall Nürnberg bezieht seit Jahren Öko-Strom und deshalb fährt unser Smart mit 100 % regenerativer Energie und vollkommen emissionsfrei.

Bleibt die Frage zu den Arbeitsplätzen?

AW: Wie das Beispiel ABL-Sursum zeigt, haben wir hier auch Arbeitsplätze die durch e-Mobilität entstanden sind. Aber natürlich hängen viel, viel mehr Arbeitsplätze am klassischen Automobil mit Verbrennungsmotor. Keiner kann mit Sicherheit sagen, wie Mobilität in 20 Jahren aussehen wird.
Nur eins ist sicher. Mobilität wird sich verändern und damit die Anforderung an Fahrzeuge. Wir haben im Großraum Nürnberg leidvoll die Auswirkungen der letzten großen Strukturkrise erlebt. Und wir haben gelernt, dass in der Krise die Handlungsmöglichkeiten zur Sicherung von Arbeitsplätzen nur noch sehr eingeschränkt sind.

Deshalb müssen wir jetzt, vor dem sich abzeichnenden Strukturwandel, die industriepolitischen Weichen für zukünftige Arbeitsplätze stellen. Somit ist unser e-smart nicht zuletzt ein rollender Denkanstoß für den aus unserer Sicht dringend notwendigen industriepolitischen Zukunftsdialog in der Region.