Aus der Verwaltungsstelle

Mittwoch, den 17. Mai 2017 um 13:37 Uhr

Andreas Neubig, Leiter des Gewerbeaufsichtsamtes in NürnbergVergangene Woche war Andreas Neubig, Leiter des Gewerbeaufsichtsamtes der Regierung von Mittelfranken in Nürnberg, bei der Geschäftsstelle Nürnberg zu Gast. Im Rahmen seines Besuches führten wir folgendes Interview mit ihm:

Herr Neubig, ein Hauptaufgabenbereich des Gewerbeaufsichtsamtes ist der Arbeitsschutz und hier insbesondere die Arbeitszeitgestaltung. Die IG Metall führt aktuell eine Arbeitszeitdebatte und befragte mehr als 680.000 Beschäftigten dazu. Die Rückmeldungen machen deutlich „Das Thema Arbeitszeit geht jeden an“.


Wie stellt sich denn aus Sicht des Gewerbeaufsichtsamtes das Thema Arbeitszeit in den Nürnberger Betrieben dar?

Hier sehe ich keinen Unterschied zum Rest Bayerns. Die Anforderungen an die Flexibilität der Betriebe steigen ständig. Die Betriebe müssen heute schneller auf äußere Einflüsse reagieren. Dies wirkt sich auch auf die Gestaltung der Arbeitszeiten der Beschäftigten aus. Um Auftragsschwankungen in den Griff zu bekommen wird oft das Steuerungsmodul „Arbeitszeit, Sonn- und Feiertagsarbeit“ ins Auge gefasst. Ziel der Gewerbeaufsicht ist es, den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewährleisten und den Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe zu schützen.

Wie hat sich denn über die Jahre hinweg das Arbeitgeberhandeln zum Thema Arbeitszeit verändert?

Eine grundsätzliche Veränderung des Arbeitgeberhandelns wird durch die Gewerbeaufsicht in ihrer Aufsichts- und Beratungstätigkeit nicht wahrgenommen. Die Arbeitgeber kennen in der Regel ihre Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen aufgrund des Arbeitszeitgesetzes. Die zunehmende Anzahl von Anfragen und Beschwerden zu den Themen Arbeits- und Gesundheitsschutz, die bei der Gewerbeaufsicht eingehen, zeigt, dass die Aufsichts- und Beratungstätigkeit unserer Behörde erforderlich ist. Nach meinem Dafürhalten, wird mit dem Thema Arbeitszeit heute offener umgegangen. Arbeitgeber und Beschäftigte scheuen sich nicht, beim Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von Mittelfranken nachzufragen, wenn Unsicherheiten zum Themenkomplex Arbeitszeit auftreten.

In wieweit verändert sich durch die Digitalisierung, Stichwort „Mobiles Arbeiten“, für das Gewerbeaufsichtsamt das Thema Arbeitsschutz und wo sehen sie diesbezüglich Regelungsbedarf?

Aus der Sicht des Gewerbeaufsichtsamtes ist ein weiterer Regelungsbedarf eher nicht angezeigt. Das Arbeitszeitgesetz eröffnet in der aktuellen Fassung flexible Arbeitszeiten. Die Digitalisierung und das zunehmend mobile Arbeiten verändern die Arbeitswelt. Flexible Arbeitszeitformen werden dabei zunehmen. Sie sind so zu gestalten, dass den Beschäftigten ausreichend lange Ruhepausen und Ruhezeiten gewährt werden, damit sie sich erholen können. Um eine gute Balance zwischen Privat- und Berufsleben zu erreichen und eine Überbeanspruchung der Beschäftigten zu vermeiden, sind die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes konsequent anzuwenden.

Die wichtigsten grundsätzlichen Schutznormen des Arbeitszeitgesetzes, wie die tägliche maximal mögliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden, eine ausreichende Dauer der Ruhepausen und mindestens elf Stunden Ruhezeit, stellen entsprechend arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse sicher, dass der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bestmöglich gewährleistet ist.

Was wünschen Sie sich von der IG Metall und den Betriebsräten, um Sie bei Ihrer Arbeit besser zu unterstützen?

Die Betriebsräte und die IG Metall leisten gute Arbeit. Bei Planungen zur zukünftigen Gestaltung der Arbeitszeiten bzw. Verbesserung vorhandener Regelungen in Betrieben zu Schichtmodellen, Flexibilisierung der Arbeitszeit im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) können die Arbeitnehmervertreter und Arbeitgeber, vor allem vom kleineren Unternehmen, gerne das Beratungsangebot des Gewerbeaufsichtsamtes der Regierung von Mittelfranken nutzen.

Das Interview führte Sandra Siebenhüter, IG Metall Nürnberg.