Aus den Betrieben

Montag, den 03. Juli 2017 um 13:25 Uhr

Einladung zur BetriebsversammlungDie 2. Betriebsversammlung bei Federal-Mogul im Juni stand unter dem Thema „Arbeitszeit“. Die Besonderheit daran war, dass der Betriebsrat sich dazu entschloss, dieses Thema interaktiv im Rahmen von vier „kleineren Betriebsversammlungen“ mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren. Zu den Hintergründen und zu den Erfahrungen damit, befragten wir den Betriebsratsvorsitzenden von Federal-Mogul, Armin Ditze.

 

Armin, Ihr seid bei Eurer letzten Betriebsversammlung einen neuen Weg gegangen. Was waren die Gründe, warum Ihr Eure Betriebsversammlung nicht in der „Klassischen Form“ gemacht habt?

Armin: Wir wollten mal was Neues ausprobieren. Seit ich hier im Betrieb arbeite, und das sind 39 Jahre, läuft die Betriebsversammlung in der Klassischen Form ab, also Vortrag des Betriebsrates, Vortrag der IG Metall, Vortrag der Geschäftsführung und Möglichkeit zu Nachfragen. Unser Ziel war, mehr Beteiligung der Kolleginnen und Kollegen zu wagen und insgesamt die Besucherzahl der Versammlung erhöhen.

Wie ist nun Eure Betriebsversammlung abgelaufen? Was war genau anders und wie hat Eure Betriebsleitung darauf reagiert?

Wir haben aus einer Versammlung vier gemacht und dabei die Beschäftigtengruppen berücksichtigt. Das Thema war „Arbeitszeit“ und hier sind ja die Anforderungen von Beschäftigtengruppe zu Beschäftigtengruppe durchaus unterschiedlich. Wir machten zwei Versammlungen für unsere Schichtler (Früh- und Spätschicht zusammen und noch eine für die Nachtschicht), eine für die Gleitzeitler und eine für die Hochqualifizierten. Die Gruppen waren etwa gleich groß. An jedem Tisch saßen ca. 10 Personen und ein Moderator, der die Diskussion leitete. Die Moderation übernahmen unsere Betriebsräte bzw. Kollegen aus dem Vertrauenskörper.

An jedem Tisch wurden die gleichen drei Fragen diskutiert, die Antworten wurden auf Moderationskarten gesammelt und im Anschluss geclustert. Während des Clusterns gab es einen Kurzbericht des Betriebsrates und der Geschäftsführung. Danach wurden die Ergebnisse durch drei Moderatoren präsentiert. Im Anschluss fand dann die Podiumsdiskussion statt, die sich an den Ergebnissen orientierte. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren der Betriebsratsvorsitzende, unser Geschäftsführer und unser Betriebsbetreuer von der IG Metall. Zum Schluss wurden die Teilnehmer noch um ihr Feedback gebeten. Die Betriebsleitung war von Anfang an dafür, dass wir die Betriebsversammlung mal anderes zu machen und hat unser Konzept voll mitgetragen. Für die Firma heißt das in Konsequenz, dass die Betriebsversammlung nicht zwei Stunden Arbeitszeit sind, sondern eben vier mal zwei Stunden.

Für die Beschäftigten war das Konzept ja auch neu, sie wussten vorher auch nicht, was auf sie zukommt. Wie war denn ihre Rückmeldung dazu?

Die Teilnehmer sollten beim Verlassen der Betriebsversammlung punkten. Daher wissen wir es genau: Mindestens 80 Prozent der Anwesenden haben die Betriebsversammlung als Ganzes, die Tischdiskussion und Podiumsdiskussion mit gut bis sehr gut bewertet. Hinzu kam, wir hatten auch 20 Prozent mehr Besucher als sonst.

In wieweit plant Ihr dieses Konzept nun weiterzuführen?

Grundsätzlich möchte ich eine Betriebsversammlung pro Jahr anders gestalten. Das muss nicht nur dieses Konzept sein, sonders es gibt ja noch andere Gestaltungsformen. Wichtig dabei ist allerdings, man sucht sich das Thema aus und dann schaut man welches Konzept dazu am besten passt.

Die Diskussionsteilnehmer v.l. Peter Stöckert Moderator , Roland Wehrer IG Metall, Armin Ditze Betriebsratsvorsitzender FM, Helmut Albert Geschäftsführer FMAn den Tischen wurde rege diskutiertDie Ergebnisse von den Tischen von einer Betriebsversammlung