Tarifnachrichten

Dienstag, den 04. Juni 2019 um 11:19 Uhr

Zwei Drittel der Belegeschaft von Lyra beteiligte sich am WarnstreikNachdem am 22. Mai die erste Verhandlung über einen neuen Tarifvertrag für die deutsche Schreib- und Zeichengeräteindustrie (SZI) ohne Ergebnis beendet wurde, stand heute in der Branche der 1. Warnstreik an. Am Nürnberger Lyra-Standort in der Willstädter Straße, an dem ca. 80 Beschäftigte tätig sind, fanden sich heute Vormittag mehr als 60 Beschäftigte vor dem Werkstor ein. Unterstützt wurden sie dabei von ihren Nürnberger IG Metall Kollegen von Staedtler, Electrolux, Siemens Moorenbrunn und Baumüller Reparaturwerk. Parallel dazu gab es Warnstreikaktionen bei Schwan Stabilo in Weißenburg und bei Faber Castell in Stein und Geroldsgrün.

Überrascht und stolz von der hohen Beteiligung zeigt sich Günther Baumgartner, Betriebsratsvorsitzender von Lyra: „Der Unmut in der Belegschaft über das niedrige Angebot der Arbeitgeber – 1,8 % für das 1. Jahr und 1,6 % für das 2. Jahr - ist da, das merkt man. Wir hatten die letzten Wochen viele Kollegen, die Mitglied in der Gewerkschaft wurden. Auch wir wollen einen ähnlich guten Abschluss haben wie die Kollegen von Staedtler mit 5 Prozent für 2 Jahre. Insbesondere ist uns wichtig, dass die unteren Entgeltgruppen einen Festbetrag erhalten.“

 

In großer Zahl beteiligten sich die Kollegen von StaedtlerWir befragten auch Warnstreikteilnehmer nach ihrer Einschätzung:

Sabine Mollenhauer, Betriebsrätin bei Staedtler: „Ich will Lyra und damit die Tarifgemeinschaft unterstützen; wir haben bei Staedtler mit 5 Prozent für 24 Monate vorgelegt und wollen, dass die Tarifgemeinschaft hier nachzieht. Denn die Kollegen müssen angemessen für ihre Arbeit entlohnt werden“.

Auch viele Kolleginnen aus dem Verwaltungsbereich gingen mit vor’s Tor: „Wir wollen ein Zeichen setzen und die Verhandlungen unterstützen. Denn gerade unsere Kollegen aus der Fertigung brauchen eine Aufwertung. Die Löhne sind niedrig, gleichzeitig erhalten die Führungskräfte noch Bonuszahlungen, das ist nicht fair“. Und eine andere Kollegin ergänzt: „Mich ärgert es, dass in der Produktion so wenig bezahlt wird, darum bin ich mit raus. Zudem gibt es in der Produktionshalle keine Klimaanlage und bei der großen Hitze wird vom Arbeitgeber nicht mal kostenlos Wasser bereitgestellt.“ Harald Dix fasst die Forderungen nochmals zusammen

Neben Günther Baumgartner sprachen zu den Warnstreikenden vor dem Tor auch der IG Metall Fachsekretär Harald Dix, der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Nürnberg, Rudi Lutz und der Betriebsratsvorsitzende von Staedtler, Jürgen Schlicht. Sie alle drückten nochmals ihre Wertschätzung für die Kolleginnen und Kollegen aus, dass diese sich am Warnstreik beteiligen, für ihre Rechte streiten und damit insgesamt den Wert von Tarifverträgen stärken.

Eines war nach dem Warnstreik klar: Sollte diese Aktion nicht reichen und sich die Arbeitgeber am 2. Juli bei der nächsten Verhandlung nicht bewegen, wird es eine weitere Steigerung der Warnstreikaktivitäten geben.