Tarifnachrichten

Dienstag, den 16. Februar 2010 um 13:39 Uhr

Tarifrunde 2010 - Das JobpaketDie Tarifrunde 2010 hat begonnen, früher als geplant. Der Hintergrund: Hunderttausende von Arbeitsplätzen in der Metall und Elektroindustrie sind gefährdet. Da hilft nur schnelles Handeln. Bei den Sondierungsgesprächen mit den Unternehmern wurde klar, dass es ein gemeinsames Interesse an der Sicherung der Jobs gibt.

Jetzt gilt es, die aufgezeigten Lösungsansätze in einem Gesamtpaket tarifvertraglich abzusichern.
Hinzu kommt selbstverständlich die Erhöhung des Entgelts. Die IG Metall wird zusammenführen, was zusammengehört, also die Sicherung der Arbeitsplätze und des Einkommens. Deswegen wird ein Jobpaket
geschnürt.
Der Inhalt: Sicherung der Beschäftigung, sicheres Einkommen und die Übernahme der Auszubildenden. Darüber wird jetzt verhandelt, federführend in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg.
Die bayerische Tarifkommission hat sich in ihrer Sitzung am 11.2.2010 für diesen Weg ausgesprochen.

Darum geht es in der Tarifrunde 2010:

Warum wird die Tarifrunde vorgezogen?

Die Wirtschaftskrise gefährdet hunderttausende von Arbeitsplätzen in der Metall und Elektroindustrie. In einer ganzen Reihe von Betrieben wird die Kurzarbeit bereits 2010 auslaufen. Würden Vereinbarungen zur Jobsicherung mit den Arbeitgebern erst im Lauf der »regulären« Tarifrunde abgeschlossen, würde kostbare Zeit verstreichen. Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit, sie müssen wissen, welche Modelle zur Beschäftigungssicherung angewendet werden können. Auch
die Kolleginnen und Kollegen benötigen eine sichere Perspektive. Also: Jobsicherheit statt Angst vor Arbeitslosigkeit.

Wie soll die Jobsicherung aussehen?

Wenn es weniger Aufträge gibt, muss kürzer gearbeitet werden. Nur so lässt sich die Zahl der Beschäftigten halten. Deswegen ist die Möglichkeit der gesetzlichen Kurzarbeit voll auszuschöpfen. Dafür ist die IG Metall bereit, über eine Beteiligung an den Kosten der Kurzarbeit zu verhandeln.
Im Gegenzug muss es einen verbindlichen Schutz vor Kündigungen geben. Ist keine Kurzarbeit mehr möglich, kann die Arbeitszeit entsprechend dem Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung abgesenkt werden. Nach den Einbußen durch die Kurzarbeit sind weitere Verluste für die Arbeitnehmer vielfach nicht zu verkraften. Bei 28 Arbeitsstunden in der Woche sinkt das Entgelt um 20 Prozent. Deswegen verhandelt die IG Metall über einen Teillohnausgleich, den die Unternehmer zu leisten haben. Von der Politik fordern wir, dass dieser Ausgleich steuerund sozialabgabenfrei bleibt.

Geht es in der Tarifrunde auch um Geld?

Die Arbeitsplatzsicherung steht im Mittelpunkt dieser Tarifrunde. Aber zum Jobpaket gehört selbstverständlich eine Entgeltkomponente. Auch darüber wird jetzt in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg verhandelt. Der Vorstand der IG Metall hat den Erhöhungsbetrag nicht beziffert. Das heißt natürlich nicht, dass sich die IG Metall auf eine »Nullrunde« einlässt. Viele Kolleginnen und Kollegen haben in der Krise durch die Kurzarbeit erhebliche finanzielle Einbußen gehabt. Deswegen geht es in dieser Tarifrunde auch um mehr Geld. Denn die Reallöhne müssen gesichert werden. Nur so werden wir einen vernünftigen Weg aus der Krise finden.

Werden alle Auszubildenden übernommen?

Die jungen Kolleginnen und Kollegen dürfen nicht zu den Verlierern der Krise werden. Die Übernahme der Ausgebildeten in ein festes Beschäftigungsverhältnis für mindestens 12 Monate ist im Tarifvertrag festgeschrieben. Wichtig ist, dass die jungen Menschen die 12 Monate effektiv nutzen können, um Erfahrungen zu sammeln und sich für das Berufsleben zu qualifizieren. Deswegen fordert die IG Metall, die Mindestübernahmezeit auch bei Ziviloder Wehrdienst, einem freiwilligen sozialen Jahr und nach der Elternzeit auszuschöpfen. Außerdem müssen Möglichkeiten zur Qualifizierung und Weiterbildung im Anschluss an die Übernahme eröffnet werden.

Werner Neugebauer

Bezirksleiter der IG Metall Bayern

In allen Bezirken haben Sondierungssgespräche mit den Unternehmern stattgefunden. Dabei hat sich in Nordrhein-Westfalen und in Baden Württemberg ein Gesprächsstand
herauskristallisiert, der zulässt, dass jetzt vorgezogene Tarifverhandlungen aufgenommen werden können. Was wir nun brauchen, sind Lösungen zur Beschäftigungssicherung, die bis ins Jahr 2012 reichen. Denn die Wirtschaft wird sich nicht so schnell erholen. Damit sind die Arbeitsplätze weiterhin gefährdet.
Alleine in Bayern sind es 60 000. Wenn es jetzt gelingt, zügig zu einem vernünftigen Abschluss zu kommen, haben wir mitten in der Krise viel für die Sicherheit der Beschäftigung erreicht.
Wir wollen nicht, dass die junge Generation ohne berufliche Perspektiven dasteht. Deswegen ist die Sicherung der Übernahme der Auszubildenden in ein Beschäftigungsverhältnis ein weiterer Schwerpunkt unserer Forderungen.

 

  Tarifnachrichten Nr.2 2010