Prof. Sabine PfeifferEntwickelt sich die Künstliche Intelligenz (KI) zum Arbeitsplatzkiller oder übernimmt sie nur Routinetätigkeit und bietet den Freiraum für kreativere Arbeiten? Wie und wo findet die Digitalisierung auch im Bürobereich statt? Mit diesen Fragen befassten sich mehr als 60 Besucher der IG Metall Veranstaltung „Meine unsichtbaren Kollegen – Digitalisierung im Büro“.

Internationale Studien unterscheiden sich deutlich. Amerika erwartet hohe Arbeitsplatzverluste (50%). Laut Professorin Sabine Pfeiffer liegt nach dem Index für Nicht-Routine-Tätigkeiten bei 74% der Berufe in Deutschland der Routineanteil unter 50%. Sie unterstrich in ihrem Vortrag die Bedeutung der strukturellen und situativen Komplexität vieler, auf den ersten Blick einfacher Büroberufe.

Es gilt „nicht von technischen Features, sondern von arbeitsweltlichen Bugs“ auszugehen. Maßgeblich ist der Einsatzzweck. Häufig wird KI aber dort eingeführt, wo das Rationalisierungs­potential am größten ist.

Für erfolgreichen Einsatz von KI ist es wichtig, bei deren Entwicklung, Einführung und dem Betrieb die Weichen richtig zu stellen. Wie und wer soll die betriebsinterne KI gestalten? Start-Ups aus Berlin oder Silicon Valley? Unternehmensberater oder KI-Forscher? Entscheidend ist für Professorin Pfeifer die Anpassung der Algorithmen an den bestehenden Prozess. „Erst strukturieren, dann umsetzen“. Sachgebietsexperten sind dafür am wichtigsten, unterstützt von einem Data Scientist und einem KI-Softwareentwickler. Sie werden zu Geburtshelfern der neuen Algorithmen. Beim Einsatz sollte das betroffene Personal geschult sein, um die KI-Ergebnisse plausibilieren zu können.

Die Praxisbeiträge von Sonja Hartwig (Siemens) bestätigten die Ausführungen. Man wird mit nicht angepassten Tools konfrontiert. „Sie erschweren die Arbeit eher, man muss dies wieder wettmachen“.
Von positiven Erfahrungen berichtete Agnes Mendel (Telekom). Hier wurden frühzeitig einfache Kundenprozesse (z.B. Kündigung) digitalisiert, die nun stabil und reibungslos laufen. Inzwischen sind ca. 350 Prozesse automatisiert.

Häufig wird derzeit der Transformationsprozess für Arbeit 4.0 von Führungskräften 1.0 geplant. Man verlässt sich auf agiles Arbeiten in Infolabs, Start-Ups oder Consulting Firmen. Wichtig ist aber die Einbindung der Belegschaft und der Interessenvertreter. Aber auch Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik den Transformationsprozess müssen mitgestalten – mit dem Menschen im Fokus.

Die Präsentation von Frau Prof. Dr. Sabine Pfeiffer kann hier heruntergeladen werden.