Freitag, den 29. Juni 2018 um 09:06 Uhr

Hans-Jürgen UrbanSozialstaat 4.0, so lautete der eher technische Titel des angekündigten Vortrages von Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall bei der gestrigen Delegiertenversammlung. Was folgte, war eine Wanderung zu den vielfältigen Baustellen der heutigen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik:

Beginnend mit einem Statement zur aktuellen Flüchtlingspolitik - "Wir sind eine solidarische Organisation und stehen für die Solidarität in Europa" - über das weite Feld der Digitalisierung - "Wie sich die Digitalisierung in den Betrieben entwickelt und welche Folgen diese hat, ist keine technische Frage, sondern eine machtpolitische" - bis hin zur Arbeitsmarktpolitik - "Die Zumutbarkeitsregelungen für Arbeitslose sind „unanständig“ und müssen abgeschafft werden" - gelang es Urban die Zuhörer zu fesseln.

Besonders umfänglich widmete er sich dem Thema Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Arbeitszeit. Diese, so Urban, komme seitens der Arbeitgeber immens unter Druck, denn sie betrachten den 8-Stunden-Tag als eine Taktung aus dem analogen Industriezeitalter. Die digitalen Möglichkeiten bieten den Beschäftigten Freiheiten, die nicht mehr zu den heutigen Tarifverträgen und Arbeitszeitgesetzen passen und die diese auch, laut den Arbeitgebern, gar nicht mehr wollen. Die Aufforderung an die Gewerkschaften ist: Wir stellen uns der Diskussion und sind bereit die Mindeststandards einer humanen Arbeitswelt, nämlich Arbeits- und Ruhezeiten, zu verteidigen.